Evangelium zum Dreifaltigkeitssonntag Mt 28,16-20

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder, einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt.

Wo wohnt Gott?

Manche meinen, es sei schwer genug, überhaupt zu glauben. Warum muss dann Gott kompliziert und auch noch dreifaltig sein? – Vielleicht hat da jemand nur übersehen, dass Gott nicht reduzierbar ist auf einen Punkt, auf den man zudem noch sein Leben setzen soll.

Der Zisterzienserabt Joachim von Fiore (†1202) nennt Gott Vater als den Herrn und Wohltäter, den Gott der Gebote und Verheißungen. Hildegard von Bingen sieht denselben groß und unfassbar. In Jesus Christus nun offenbart er sein menschliches Antlitz. Dieser ist das einzige Bild, das wir von Gott haben. Ohne die Menschwerdung hätten wir vielleicht Angst vor Gott, wie Menschen in manchen anderen Religionen. Der Heilige Geist, sagt die Bibel, hat durch die Propheten und Apostel gesprochen, bleibt dennoch unfassbar, dynamisch und ohne menschliche Gestalt. Er eint die Menschen im Frieden und führt zur Vollendung.

Gott ist in sich „Familie“ und wohnt nicht ortlos in einem himmlischen „Single-Appartement“. Sondern er begleitet sein Volk eine lange Wegstrecke durch die Weltgeschichte. Beide bleiben Partner. Das Gelingen dieses Weges hängt ab von der Treue des Volkes. Was wir ins Deutsche mit „Glauben“ übersetzen, meint im Hebräischen und Griechischen „Treue“. Dies sollen die Jünger damals und wir heute weitersagen, so der Auftrag Jesu im Evangelium zum Dreifaltigkeits-Sonntag. Das ist für alle möglich, die selber ergriffen sind.

„Ich bin Gott noch nie begegnet. Wie soll ich da von ihm ergriffen sein?“, höre ich Sie sagen? Das dachte auch ich, bis ich als Jugendlicher einmal bei einer Familie zu Gast war und mich deren Umgang, Tonfall und Herzlichkeit miteinander so sehr beeindruckten, dass ich beschloss: So soll es eines Tages auch in meiner Familie sein! Da habe ich etwas von der Dreifaltigkeit Gottes erlebt durch diesen Vater, diese Mutter und die beiden kleinen Töchter. Gott wohnt, wo man ihn einlässt.

                            ©Diakon Christoph Mittermair 

      www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

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