Evangelium zum 12. Sonntag im Jahreskreis Mk 4,35-41

Am Abend dieses Tages sagte Jesus zu ihnen: Wir wollen ans andere Ufer hinüberfahren. Sie schickten die Leute fort und fuhren mit ihm in dem Boot, in dem er saß, weg; und andere Boote begleiteten ihn. Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm und die Wellen schlugen in das Boot, sodass es sich mit Wasser zu füllen begann. Er aber lag hinten im Boot auf einem Kissen und schlief. Sie weckten ihn und riefen: Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen? Da stand er auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still! Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein. Er sagte zu ihnen: Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben? Da ergriff sie große Furcht und sie sagten zueinander: Wer ist denn dieser, dass ihm sogar der Wind und das Meer gehorchen?

Was Stürme bewirken

Wie hatte ich mir damals gewünscht in meinen dunklen Jahren, dass plötzlich die Sonne zwischen den Wolken hervorbricht. Ich weiß zu erzählen von Tagen des psychischen Einbruchs, des gesundheitlichen Absturzes und des seelsorglichen Misserfolgs. Zusammengerechnet waren es sieben Jahre in drei Abschnitten.

Wie hatte ich mir gewünscht, immer „oben“ und „auf der Welle“ zu bleiben. Und ich fragte mich damals: Wo ist Jesus? Schläft er vielleicht irgendwo im Boot meines Lebens oder ist er schwerhörig?

Rückblickend erkenne ich: Es waren die wichtigsten Jahre meines Lebens. Das Siegen hatte ich vorher gelernt. Aber seither weiß ich auch mit Niederlagen und Stürmen umzugehen.

Vielleicht habe ich jetzt nicht nur von mir gesprochen, sondern auch von Ihnen. Solche Erfahrungen wünsche ich niemandem. Doch erst wenn auch Staatsfunktionäre, Kirchen-Obere oder Chefitäten, ja sogar ganz gewöhnliche Frauen und Männer „den Teppich von unten kennengelernt haben“, wird ihr Lebensboot einen ganz anderen Tiefgang erreichen. Für wen die Stürme des Lebens sich wieder beruhigt haben, der wird mit Gott und der Welt sorgfältiger umgehen. Stürme bewirken, dass nicht nur Eichen, sondern auch Menschen tiefer wurzeln.

© Diakon Christoph Mittermair (2018)

www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

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