Evangelium zum 2. Sonntag im Jahreskreis Joh 1,29-34

Am Tag darauf, Johannes sah Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.

Voll dabei

In der aramäischen Muttersprache von Jesus und Johannes bedeutet „talja“ gleichzeitig „Lamm“ und „Knecht“. Der vom Propheten Jesaja lange schon angekündigte Gottesknecht (Jes 42,1) ist mit einem Lamm vergleichbar. Er gibt sein Leben hin zur Vergebung der Sünden von Vielen. Er tut dies am Kreuz wie ein Lamm, das sich nicht wehrt.

Warum aber musste Jesus extra getauft werden? Er war doch schon der Sohn des Allerhöchsten. „Christus hat sich allen geoffenbart nicht im Augenblick seiner Geburt, sondern im Augenblick seiner Taufe. Bis zu diesem Tage kannten ihn nur wenige; fast alle wussten nicht einmal, dass er lebt.“ Und „Von Haus zu Haus gehen, Christus vorstellen und sagen, dass er der Sohn Gottes sei, das hätte das Zeugnis des Johannes sehr schwierig werden lassen. Ihn in die Synagoge zu führen und ihn als Erlöser zu bezeichnen, das hätte sein Zeugnis wenig glaubwürdig gemacht.“ (Johannes Chrysostomus, um 345-407) Darum wird Jesus von seinem Vater persönlich gesendet. Er wird vor der Menschenmenge am Jordan als der bestätigt, dessen Leben nicht durch den Tod besiegt werden kann.

Der gleiche Gott bietet uns in der Taufe das gleiche unbezwingbare Leben an. Das tut gut! Nehmen wir doch ganz real wahr: Wir werden älter und können den Uhrzeiger der Zeit nicht anhalten. Der Glaube erinnert uns, dass das Leben nach dieser Erdenzeit weiter geht.

In Ihrer Taufe also sagte damals Gott zu Ihnen, wie zu seinem Sohn: „Du bist mein geliebtes Kind.“ Dann kam Ihre Erstkommunion mit der Zusage: „Du in mir, ich in dir. Ich gehe alle Wege mit!“ Später wurde bei Ihrer Firmung noch ergänzt: „Auch du hast einen Auftrag in der Welt, den niemand sonst erfüllen kann.“ Diese Festtage sind Zeichen der Eingliederung in die Gemeinschaft der Gläubigen in drei Stufen.

Erinnern Sie sich noch an die Aufgabe von letzter Woche? Haben Sie den Tag Ihrer Taufe in Erfahrung bringen können? Findet sich vielleicht der Tag der Firmung auch schon in Ihrem Kalender 2020?

© Diakon Christoph Mittermair (2020)             www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

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