06 - 10.01.2021       1. Sonntag im Jahreskreis (Taufe des Herrn)                        Lesejahr B

Evangelium zum Sonntag Mk 1,7-11

Johannes trat in der Wüste auf und verkündete: Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich; ich bin es nicht wert, mich zu bücken und ihm die Riemen der Sandalen zu lösen. Ich habe euch mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus aus Nazaret in Galiläa und ließ sich von Johannes im Jordan taufen. Und sogleich, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass der Himmel aufriss und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam. Und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.

Niemand kann sich selber taufen

„Unser kleines Menschenhirn kann zwar Atombomben produzieren und vollautomatische Maschinenhallen produzieren, aber gerade die wesentlichsten und entscheidendsten Fragen des Lebens vermögen wir Menschen kaum zu lösen: Wo liegt der Sinn des Lebens? Gibt es wirklich Gerechtigkeit und Vergeltung für all das Gute, um das wir Menschen uns bemühen? (…) Gibt es Vergebung und Neuanfang nach einem verpfuschten Leben?“, so formulierte es einmal Kardinal Franz König †2004).

Das heutige Evangelium gibt Antwort: Der tiefere Sinn des Lebens liegt in der Freundschaft. Wer sehnt sich nicht danach, beachtet, geschätzt und geliebt zu werden, also Freunde zu haben? In der Taufe bietet uns Gott seine Freundschaft an. Nicht wir müssen dazu den ersten Schritt machen. Papst Benedikt XVI. meint: „Der Lateinische Begriff für „Taufen“ ist ein passives Wort. Denn niemand kann sich selber taufen. Keiner kann sich selber zum Christen machen. (…) Nur durch den anderen können wir zu Christen gemacht werden.“

Taufe ist das „Lunch-Paket“, der Neubeginn, die Ausrüstung für das dann folgende Leben, um wirklich Mensch zu werden. Selbst dem ärgsten „Hallodri“ werden durch sie alle Sünden vergeben. Restlos! Jesus ist eben gekommen, um zu suchen, was verloren und zu heilen, was verwundet ist. Sein Programm: Friede soll sein, Freundschaft zwischen Gott und den Menschen und bei den Menschen untereinander.

Alle Evangelien sind von Beginn an auf den dreifaltigen Gott ausgerichtet, auf die vollkommene Freundschaft zwischen Vater und Sohn im Heiligen Geist. Und wir Menschen sind als Abbild Gottes gedacht. Die Taufe ist dazu die Ausstattung, damit wir ehrliche Freunde werden und lernen, jedem Menschen auf Augenhöhe zu begegnen. Da heißt es ab und zu auch über unseren eigenen Schatten springen. Sind doch alle Menschen Söhne und Töchter Gottes, nicht nur wir. Bloß wissen das vielleicht noch nicht alle. Papst Franziskus trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er betont: „Das sind echte Christen: Sie tragen den Himmel im Herzen.“ Sieht man uns das auch an?

© Diakon Christoph Mittermair (2017)  www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

Visit Us On FacebookVisit Us On Youtube