Evangelium zum 32. Sonntag im Jahreskreis Mk 12,38-44

Jesus lehrte die Menschenmenge und sagte: Nehmt euch in Acht vor den Schriftgelehrten! Sie gehen gern in langen Gewändern umher, lieben es, wenn man sie auf den Marktplätzen grüßt, und sie wollen in der Synagoge die Ehrensitze und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben. Sie fressen die Häuser der Witwen auf und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete. Umso härter wird das Urteil sein, das sie erwartet. Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß, sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen. Viele Reiche kamen und gaben viel. Da kam auch eine arme Witwe und warf zwei kleine Münzen hinein. Er rief seine Jünger zu sich und sagte: Amen, ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen als alle andern. Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluss hineingeworfen; diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat, sie hat alles hergegeben, was sie besaß, ihren ganzen Lebensunterhalt.

Keine halben Sachen

Mit den heutigen Worten endet das öffentliche Wirken Jesu. Sein scharfer Vergleich der Witwe mit den Hochgestellten ist wohl nicht nur den Schriftgelehrten von Jerusalem ins Stammbuch geschrieben.

Reden wir Klartext: Reichtum, wie auch immer angehäuft, beruhigt die Nerven und verleitet gelegentlich, vorwiegend für sich selbst genützt zu werden. Aus solcher Perspektive auch ist die Freigiebigkeit der Witwe höchst unvernünftig, verbaut sie sich doch mindestens die finanzielle Zukunft. Der Mönch und Kirchenlehrer Beda Venerabilis (672-735) meint dazu: „Der Herr lehnt die Gesinnung, nicht die äußere Stellung als solche ab.“

Heute legt man da und dort noch eins drauf: Nicht selten wird applaudiert, wenn ein Paar auf Kinder verzichtet, damit sich die Frau die gute Figur erhält oder der Mann nicht von den Kleinen genervt wird. Ebenso scheint es zu riskant, wenn jemand vor dem Altar einem ganz bestimmten Menschen ein unwiderrufliches Ja gibt. Man weiß doch nie, was noch alles kommen kann.

Jesus hingegen war ziemlich unvernünftig. Er hat nicht etwas gegeben, sondern sich selbst. Gott macht eben keine halben Sachen! Darum ruft der Sohn Gottes im Evangelium extra seine Mannschaft zusammen und erinnert daran, worauf es ankommt nicht nur beim Opferkasten, sondern weitergedacht auch in der Ehe, in der Familie, im Beruf …

Wer so lebt wie Jesus, erscheint auf den ersten Blick vielleicht ganz schön blöd. Doch früher oder später kommt ans Licht, ob man viel oder wenig investiert hat in den – nennen wir ihn – inneren Reichtum. „Betrachte nur die Gegenwart als dein Eigentum. Alles andere ist dir geliehen.“ (aus den Aphorismen des Autors dieses Artikels)

© Diakon Christoph Mittermair (2018)            

www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

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