Evangelium zum 34. Sonntag im Jahreskreis Joh 18,33b-37

Pilatus fragte Jesus: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du das von dir aus oder haben es dir andere über mich gesagt? Pilatus entgegnete: Bin ich denn ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben dich an mich ausgeliefert. Was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Königtum ist nicht von dieser Welt. Wenn mein Königtum von dieser Welt wäre, würden meine Leute kämpfen, damit ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Nun aber ist mein Königtum nicht von hier. Da sagte Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, ich bin ein König. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme.

Kein Paradies auf Erden

Der Wortwechsel zwischen Pilatus und Jesus ist in allen vier Evangelien fast spiegelgleich. Und er kommt punktgenau zum Finale, zum letzten Sonntag des alten Kirchenjahres.

Was ist das für ein König, der angesichts des drohenden Todesurteils noch über „Wahrheit“ philosophiert. Was ist das für ein König, der nicht das Blut seiner Untertanen Blut vergießt, sondern sein eigenes? Man muss schon sehr mächtig sein, wenn man auf herkömmliche Machtmittel verzichten kann.

Im Jahr 1925 führte Papst Pius XI. das Fest Christkönig ein, im Gedenken an das Konzils von Nizäa, welches 1600-Jahr-Feier zuvor das Dogma von der „Wesensgleicheit Christi mit dem Vater“ festgelegt hatte. Später wurde dieser Tag auf den letzten Sonntag im Kirchenjahr verlegt. Das alles geschah in einer Zeit, da vorher viele Könige von der Geschichte hinweggefegt worden waren.

Bis heute fasziniert mich, wie viele Menschen sich des ewigen Lebens so gewiss sind, dass sie sich für das Bekenntnis zu Jesus als den Sohn Gottes diffamieren, foltern und oft regelrecht abschlachten lassen. Ebenso ist es unglaublich, dass auch heute nicht wenige auf Reichtum, Macht und sogar Familie verzichten, um ihr Leben als Priester oder Ordenschristen hinzugeben in Gebet und Dienst an ihren Nächsten.

Und wir, die wir „in der Welt“ leben, dürfen lernen, dass oft unverzichtbar scheinende Wichtigkeiten ein Ablaufdatum haben. Hell Glänzendes kommt und vergeht: die Jugend, die Schönheit, die Gesundheit oder auch der Erfolg und das Ansehen. Selbst jene Stadt in Kalifornien mit dem programmatischen Namen „Paradise“ konnte dieses Jahr letztlich nicht mehr halten, was bereits vor ihr sämtliche politische Systeme im Lauf von Jahrhunderten versprochen hatten.

Kann doch nur ein König, der über allem steht, behaupten: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ (Mt 24,35).

© Diakon Christoph Mittermair (2018)            

www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

Visit Us On FacebookVisit Us On Youtube