07 - 17.01.2021                    2. Sonntag im Jahreskreis                                                   Lesejahr B

Evangelium zum Sonntag Joh 1,35-42

Am Tag darauf stand Johannes wieder dort und zwei seiner Jünger standen bei ihm. Als Jesus vorüberging, richtete Johannes seinen Blick auf ihn und sagte: Seht, das Lamm Gottes! Die beiden Jünger hörten, was er sagte, und folgten Jesus. Jesus aber wandte sich um, und als er sah, dass sie ihm folgten, sagte er zu ihnen: Was sucht ihr? Sie sagten zu ihm: Rabbi – das heißt übersetzt: Meister – , wo wohnst du? Er sagte zu ihnen: Kommt und seht! Da kamen sie mit und sahen, wo er wohnte, und blieben jenen Tag bei ihm; es war um die zehnte Stunde. Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden – das heißt übersetzt: Christus. Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen, das bedeutet: Petrus, Fels.

Jammerschade

Es ist Samstag. Ich sitze in einem kleinen Café um zu relaxen. Damit wird es jedoch nichts. Am übernächsten Tisch sind zwei Frauen nicht zu überhören. Sie diskutieren, nein jammern über ihre Männer. Nächster Tag, Sonntag: Ich überhole auf dem Weg zur Kirche zu Fuß eine Pensionistin, die ich nicht kenne. Sie jammert mich an wegen der vielen Hunde, die ihr heute schon begegnet sind. Zwei Stunden später esse ich zu Mittag in einem Restaurant. Neben mir eine dreiköpfige Verwandtschaft. Alle quasseln mir bis in die Suppe: Die Lehrerin jammert über ihre Schule, der Monteur über seine Firma, der Opa über seinen Enkel. Als sie endlich damit fertig sind, erheben sie sich und gehen.

Ja, es ist wirklich zum Jammern. Eigentlich nicht wegen der Bejammerten, sondern wegen der Jammerer. Wer immer nur die Nadel im Heuhaufen sucht, übersieht bald das Heu. Und wie soll ich mich da noch an das Gelungene und Dankenswerte, an die guten Begegnungen der vergangenen Woche erinnern?

Die beiden Jünger müssen wohl von der ganz anderen Ausstrahlung dieses Jesus fasziniert gewesen sein. Sie wollen mehr von ihm wissen und fragen, wo er denn wohne. „Kommt und seht!“, werden sie eingeladen. – Zeig mir, wie du wohnst und ich sag dir, wer du bist. Die Wohnung ist das Spiegelbild der Seele, sagen Psychologen.

Was würden wohl die Pensionistin, der Opa, die Lehrerin usw. bei mir oder bei Ihnen so erleben, würden sie den Winter über bei uns wohnen? Könnten sie von uns auch das Jammern auf hohem Niveau lernen? Oder würden sie Besseres vorfinden: Dankbarkeit für den Kaffee am Morgen, für die gut temperierte Wohnung und das weiche Bett, für das monatliche Einkommen, für den langjährigen Frieden in dem Land, in dem wir wohnen …

© Diakon Christoph Mittermair (2018)

www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

Visit Us On FacebookVisit Us On Youtube