Evangelium zum 5. Sonntag der Osterzeit Joh 13,31-33a;34-35

Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen und er wird ihn bald verherrlichen. Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.

 

Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.

Gott rechnet mit Ihnen

Woran erkennt man die Christen wirklich? Der große, gewaltlose Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi (1869-1948) sagte einmal sinngemäß: Wären die Christen nicht wie Kieselsteine im Flußbett, außen nass und innen trocken, ich würde Christ werden. Um im Bild zu bleiben: Sind wir wirklich so staubtrocken und ohne Ausstrahlung? Was unterscheidet Christen von allen anderen?

Die Antwort Jesu aus dem heutigen Evangelium: „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, sollt auch ihr einander lieben.“ In Israel war diese Liebe bis dahin beschränkt auf Stammesgenossen und Glaubensbrüder, also auf jene, die gemeinsamen Bekenntnisses waren. Genau darauf baut der Herr auf. Denn die Liebe zu den Nahestehenden Schwestern und Brüder ist die Voraussetzung dafür, auch die neutestamentliche „Goldene Regel“ zu erfüllen, die da lautet: „Alles, was ihr von den anderen erwartet, das tut auch ihnen. Darin besteht das Gesetz und die Propheten.“ (Mt 7,12) Diese Nächsten sind eben auch die übrigen, nicht glaubens- oder blutsverwandten Menschen, die Martin Luther richtigerweise mit den „Leuten“ übersetzt.

Das Zusammenleben der Brüder und Schwestern im Glauben ist immer gefährdet. Das sehen wir auch heutzutage in den oft gegeneinander gerichteten Strömungen innerhalb der Kirche. Zwar wird viel von Toleranz gesprochen. Aber hat man auch die Kraft, die Argumente der anderen einmal stehen zu lassen, um später nochmals und in größerem, gegenseitigem Respekt darüber zu reden? Die Liebe entmachtet jeden Tod.

– Vor vielen Jahren verstarb die 94-jährige Großmutter meiner Ehefrau. Ihr letztes Wort an uns beide, welches sie uns nur noch ins Ohr zu flüstern vermochte, war: „Zusammenhalten!“ Hätten wir das immer befolgt, wir hätten uns manche Umwege erspart.

Niemand kann Sie und mich aufhalten, in unseren Familien zusammenzuhalten und dort, wo wir leben und arbeiten. „Daran werden alle erkennen“, sagt der Herr, „dass ihr meine Jünger seid.“ Die Betonung liegt auf „alle“, „erkennen“ und „Jünger“. Seien Sie sicher, Gott rechnet mit uns!

– Übrigens: Würde Gandhi heute zum Christentum konvertieren, wenn er auf Ihr und mein Leben blickt?

© Diakon Christoph Mittermair (2019)             www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

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