Evangelium zum Sonntag Mk 1,12-15

Und sogleich trieb der Geist Jesus in die Wüste. Jesus blieb vierzig Tage in der Wüste und wurde vom Satan in Versuchung geführt. Er lebte bei den wilden Tieren und die Engel dienten ihm.

Nachdem Johannes ausgeliefert worden war, ging Jesus nach Galiläa; er verkündete das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Gericht immer mit Freispruch

Vierzig Tage allein in der Wüste sind sehr lange. Und dann kommen noch Engel und Teufel, eine Fata Morgana könnte man meinen. Doch findet man allein im Neuen Testament 175-mal „Engel“ und 35-mal „Teufel“. Letztgenannter will Jesus sogar auf die Probe stellen.

Wo auch immer eine Versuchung herkommt, sie hat immer das gleiche Strickmuster: So eine Tafel Schokolade ist doch nicht weiter schlimm. Sie macht dich nicht gleich dick! – Ist doch nichts dabei. – Heutzutage schlafen die anderen vierzehnjährigen Mädchen auch mit ihrem Freund! – Die kleine Unehrlichkeit? So genau ist es doch nicht! – Einmal Drogen probieren ist doch nicht tragisch! – …

Die Banalität liefert die Erklärung, warum sich Menschen auf das einlassen, was ihnen in der Versuchung vorgegaukelt wird. Unter dem Deckmantel der Vernünftigkeit wird es uns als „normal“ verkauft. Nur vor dem ersten Mal ist man frei, hernach aber ein Gefangener.

„Jeder (Mensch) hat seine Sicht des Guten und auch des Bösen. Wir müssen ihn nur dazu anregen, sich auf das zuzubewegen, was er als das Gute erkannt hat. Das würde schon genügen, um die Welt zu verbessern.“ (Papst Franziskus)

Deswegen werden wir am Beginn der Fastenzeit erinnert: „Kehrt um!“ Wissen wir doch, könnten wir einwenden. Außerdem hat uns das der Täufer Johannes schon vor wenigen Wochen gesagt. Wozu also die Wiederholung? Vielleicht ist es doch wieder an der Zeit für einen Kassasturz. Nicht das Börserl ist gemeint, sondern das eigene Leben: Schlängle ich mich da und dort durch? Ist mein Hemd immer noch näher als der Rock? Wie gehe ich mit meinen Liebsten um? – …

Ich mache regelmäßig Fortbildungen, Seminare und Kurse. Nicht alle haben sich ausgezahlt. Da lernte ich eines Jahres die Beichte kennen und mit der Zeit auch lieben. Sie ist übrigens gratis. Eine gute Reflexion mit einem „weisen Vater“ ist anregender als schwarzer Kaffee und bringt’s wirklich. Die kleinen und größeren Scherben des Lebens los zu werden, das lässt wieder frei atmen. Noch dazu handelt es sich um ein Gericht, das immer mit Freispruch endet.
 

© Diakon Christoph Mittermair (2018)                   www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

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