Evangelium zum 16. Sonntag im Jahreskreis Mk 6,30-34

Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus! Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber man sah sie abfahren und viele erfuhren davon; sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin und kamen noch vor ihnen an. Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange.

Game over

Der evangelikale Prediger Werner Heukelbach tourte in der 1960er Jahren durch das Ruhrgebiet. Seine Veranstaltungen wurden auf Plakaten angekündigt mit dem Slogan: „An Jesus kommt keiner vorbei“. In Gelsenkirchen setzten Fußball-Fans in einer nächtlichen Aktion darunter: „Außer Stan Libuda“. Das war der Name des großen Dribbel-Königs von Schalke. Heute würde man ergänzen: „und Cristiano Ronaldo“.

Die Zeiten haben sich geändert. An Jesus kommt man ganz leicht vorbei. Dafür gibt es ein gängiges Rezept: Täglich das Leben ausfüllen mit reichlich Arbeit, zum Ausgleich viel sportliche Leistung in der Freizeit, dazwischen nicht zu knapper Einkaufkonsum, als Würze regelmäßig „über die Strenge hauen“ beim Essen und Trinken, nur nötigste Zeit für die Familie. Zuletzt das angerichtet Menü gut Abschmecken mit intimen Freundschaften neben der Ehe. Bei ersten Erschöpfungserscheinungen die Anstrengungen verdoppeln! Das ist der beste Weg nach „Game over“.

Was sagt dazu das heutige Evangelium? Die von Jesus ausgesandten Jünger kehren zurück. Vielleicht waren sie gar nicht müde, sondern erfüllt vom Auftrag des Herrn, Kranke zu heilen und alles Böse machtvoll in die Schranken zu weisen. Jetzt dürfen sie ausatmen, nicht nur der Müdigkeit wegen. Sie sollen sich die Zeit nehmen, selber innerlich zum Herrn zurückzukehren. In der Euphorie, im Erreichen von Zielen und „auf der Welle“ entfernen wir uns bald vom Wesentlichen.

Wenn die innere Müdigkeit sich meldet, dann helfen kein Urlaub und kein Schlafen in Bayern-Bettwäsche oder auf einem Messi-Kopfpolster. Diese Art von Müdigkeit kann nur beseitigt werden, wenn man Ruhe findet wie die Jünger bei Jesus Christus. Die Nahrung der Seele besteht wesentlich aus Stille, Gespräch mit Jesus, Ausruhen bei ihm. Das lässt sich im Alltag üben mit täglich einer Viertelstunde „Nichts-Tun“, der besten Medizin gegen „Game over“ und Burnout.

Fußball-WM vorbei, Zeit für die Seele. Ich wünsche Ihnen einen schönen, erholsamen Sommer!


© Diakon Christoph Mittermair (2018)            

www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

Visit Us On FacebookVisit Us On Youtube