Evangelium zum 2. Sonntag nach Weihnachten

Joh 1,1-5.9-14

 Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne es wurde nichts, was geworden ist. In ihm war Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst. Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt. Er war in der Welt und die Welt ist durch ihn geworden, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches, nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.

Foto von Gott

In der Schöpfungserzählung wird das „Wort Gottes“ gesprochen und es geschieht, was es will. Auch ergeht „das Wort des Herrn“ an die Propheten. Nur ein einziges Mal findet sich in der Bibel „das Wort“ ohne Zusatz, nämlich in der heutigen Schriftstelle. Der im Griechischen Urtext verwendete Begriff „logos“ steht auch für „Offenbarung“ und ist ein Name für Gott.

Mag sein, dass wir am Heiligen Abend von der gemütserwärmenden Botschaft nach Lukas tiefer berührt sind als vom rätselhaften Text dieses Weihnachtsevangeliums von Johannes. Hier wird präzisiert, was der Engel auf dem Hirtenfeld verkündet: Der neugeborene Messias ist „das Wort“, das von Anfang an bei Gott war und zugleich Gott ist. Es gibt also zwei Naturen in einer Person: Gott-Vater und Gott-Sohn. Jesus Christus ist der „logos“. Unser Begriff „Logik“ hat hier die Wurzel.

– Also alles logisch? Nein. Unser Glaube ist gefordert. Wer den Sohn Gottes im Glauben aufnimmt, ist nicht mehr nur Geschöpf, sondern wird zum Kind Gottes. Das ist der Gipfel, der Ausdruck der engsten Beziehung, die Lebendige untereinander verbindet.

Wenn auch manche behaupten, niemand habe Gott je gesehen, wissen wir es besser. Gott hat sich bereits gezeigt. Im Fleisch gewordenen „logos“ hat er für uns Hand und Fuß bekommen. Er ist „das Foto“ Gottes. Im Kleinen ist er groß, in der Ohnmacht mächtig und im Tod noch lebendig. Als Kind ist er unbegreiflich, aber sichtbar eingetreten in unsere Welt.

 „Diese Zusage gilt, auch wenn es dir die Sprache verschlagen hat, dir Hören und Sehen vergangen ist auch wenn dir die Worte fehlen oder du nur noch glauben kannst, was du siehst“ (Wolfgang Tripp).  Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit (1 Petr 1,25).

  © Diakon Christoph Mittermair (2020)           www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

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