Evangelium zum 4. Sonntag der Osterzeit Joh 10,27-30

Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins.

Du bist ein Schaf

„Ach Gott, bist du ein Schaf!“ Wer so betitelt wird, liegt nicht gerade hoch im Kurs und wird eher für unverständig und dumm gehalten. Dabei waren Schafe zur Zeit des alttestamentlichen Nomadentums, wie in den Erzväter-Erzählungen, der Inbegriff von Reichtum. Von Abraham bis hin zur Zeitenwende kommt dieses Tier immer wieder in der Bibel vor. Von Jesus selbst wird gesagt, „wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt“ (Apg 8,32). Warum wohl dieser Vergleich? Ein Schaf ist wehrlos und verbreitet keine Gewalt. Das hat der Herr bis ans Kreuz vorgelebt.

Als Auferstandener und Hirte sendet er schließlich seine Jünger aus „wie Schafe mitten unter die Wölfe“ (Mt 10,16). Das macht nur Sinn, wenn sie gleichzeitig von ihm beschützt sind. Denn ohne Hirten sind Schafe einzeln, wie in der Herde, großen Gefahren ausgesetzt und chancenlos.

Sind nicht auch in unserer Zeit des Burnouts viele Menschen „müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben“ (Mt 9,36)? Vielleicht investieren wir großzügig in Äußeres, wie modegerechte Kleidung und Top-Haarschnitt, Makeup und Brustvergrößerung, Auto und Urlaub. Sollten nicht ebenso wichtig die inneren Werte sein, die es zu entfalten gilt?

Ein erster Schritt dazu ist das Hören. Die Frage dazu lautet: Bin ich ein hörender Mensch, der bereit ist zu lernen? Habe ich die Kraft zuzuhören? Oder soll sich lieber letztlich alles um mich drehen?

„Der Glaube kommt vom Hören“, betont der heilige Benedikt immer wieder in der Regel für seine Mönche.  Er meint damit, dies sei mehr als das Wahrnehmen eines akustischen Signals. Papst em. Benedikt XVI. richtet in diesem Zusammenhang den Blick auf Maria, die Mutter Jesu: „In die große Taubheit der Menschheit hat Gott die große Hörende gesandt.“ Im Hören ist sie Gott entgegengewachsen, wie es im Monat Mai von der ganzen grünen Natur nachgeahmt wird, wenn sie sich dem Licht entgegenstreckt.

Nicht jene Menschen erlebe ich übrigens prägend, die gescheit und selbstgerecht daherreden. Es sind vielmehr solche, die auf ihre Art überzeugend leben. Von solchen habe ich mir bisweilen viel abgeschaut, nachdem ich ihnen zuerst ausgiebig zugehört hatte. Dieses Lernen ist für Schafe auf zwei Beinen zudem kostenlos.

© Diakon Christoph Mittermair (2019)             www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

Visit Us On FacebookVisit Us On Youtube