Evangelium zum 34. Sonntag im Jahreskreis LK 23,35-43

Die führenden Männer verlachten Jesus und sagten: Andere hat er gerettet, nun soll er sich selbst retten, wenn er der Christus Gottes ist, der Erwählte. Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich selbst! Über ihm war eine Aufschrift angebracht: Das ist der König der Juden. Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Christus? Dann rette dich selbst und auch uns! Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst! Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

Auch um Fünf vor Zwölf

Nach römischem Recht musste über dem Haupt eines Gekreuzigten eine Tafel angebracht werden mit dessen Namen, dessen Herkunft und Schuld. Eindeutig nehmen die neben Jesus Verurteilten darauf Bezug.

Aus der Reaktion des Herrn nun sehen wir, so Papst Franziskus, auch angesichts einer vielleicht verworrenen Lebensgeschichte mit Fehlern und Sünden und dunklen Augenblicken: Es genügt, „auf Jesus zu schauen und ihm immer wieder zu sagen – wohlgemerkt mit dem Herzen: ‚Herr, denk an mich, jetzt, wo du in deinem Reich bist! Jesus, denk an mich, denn ich will gut werden, aber ich habe nicht die Kraft.‘“  Selbst wenn alles zerbrochen scheint, spricht Jesus auch um Fünf vor Zwölf „das Wort der Vergebung, nicht der Verurteilung; und wenn der Mensch den Mut findet, um diese Vergebung zu bitten, dann lässt der Herr eine solche Bitte nie fallen.“ (Predigt zum Christkönigsfest 2013) –

Der Evangelist Lukas hat uns durch dieses Jahr begleitet. Er erinnerte uns wiederholt an die Dringlichkeit, das Erbarmen Gottes jetzt anzunehmen, nicht irgendwann: „Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren.“ (Lk 2,11), „Ich muss heute in deinem Haus bleiben.“ (Lk19,5), schließlich „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“

Das Christkönigsfest ist Krönung und Abschluss des Kirchenjahres. Auch im nächsten Jahr sind wir eingeladen, die Schönheit des Glaubensweges neu zu entdecken.

Und sollten wir immer noch lieber auf den siegreich Auferstandenen oder nur auf die Idylle einer anmutigen, alpenländlichen Weihnachtskrippe schielen, korrigiert uns der Apostel Paulus vehement: „Ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten. (1 Kor 2,2). Das Maß seiner Barmherzigkeit ist die Maßlosigkeit.

© Diakon Christoph Mittermair (2019)             www.diakon-christoph.com

Kategorien: Allgemein

Visit Us On FacebookVisit Us On Youtube